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DIE RAKELTECHNIK - GRUNDLAGEN, WERKZEUGE, FARBEN & UNTERGRUND, TECHNIKVARIANTEN.

Bekannt wurde die Rakeltechnik durch den deutschen Künstler Gerhard Richter, der von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf war. Seine Werke sind auf dem weltweiten Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers. Das Auktionshaus Sotheby’s hatte 2015 sein Gemälde „Abstraktes Bild“ für 41 Millionen Euro versteigert.

 

Eine Rakel ist letztendlich ein Abstreifer oder Abstreifgummi in jeglicher Form und aus unterschiedlichen Materialien. Dies kann eine Holzspachtel mit Gummilippe, eine Großflächenspachtel aus Aluminium, wie auch eine kleine Kunststoffspachtel oder schlicht eine dicke Kunststofffolie sein mit der eine Farbe abgestrichen wird.

 

Die Werke sind oftmals vielschichtig angelegt und weisen eine ungeheure malerische Dichte auf. Ihre Farbstrukturen werden mit Pinseln, Rakeln und Spachteln aufgetragen, die über die nassen Farbschichten gezogen werden, wobei bereits vorhandene durch neue überlagert, aufgerissen oder ganz ausgelöscht werden. Du kannst somit Bereiche in Deinem Werk hervorheben und andere in den Hintergrund treten lassen. Auf diese Weise entsteht ein Bild aus dem Zusammenspiel von Planung, Zufall und Intuition.

Das Prinzip des Zufalls spielt hierbei eine wesentliche Rolle, da sich der Farbauftrag bei der Arbeit mit der Rakel nur bedingt steuern lässt. Die Zusammenstellung der Farben sowie deren Schichtungen unterliegen jedoch einer genauen Planung, sozusagen resultiert das Ergebnis aus einer „sehr geplanten Spontaneität“.

 

Das Abstreifen der Farbe kann, während des Auftragens von Schichten, in jeglicher Hinsicht und zu jedem Zeitpunkt erfolgen. Durch das Abstreifen der Farbe und der daraus resultierenden Farbverläufe oder Konturen erhält das Werk eine Dynamik und Tiefe.

 

Auch wenn das Rakeln im ersten Augenblick einfach erscheint, ist es dennoch sehr schwierig Gefühle durch die Farbkomposition, der Bewegung und der Struktur auszudrücken.

Als Farben werden normaler Weise Ölfarben oder pastöse Acrylfarben verwendet.

 

In meinem Blog möchte ich Dir die Rakeltechnik, die ich selbst für meine Werke nutze, näherbringen und versuche mich auf das Wesentliche in Kurzform zu beschränken.

Detaillierte Informationen zu Farben & Hilfsmittel, etc. erkläre ich ausführlich in meinem anderen Blog „Acryl Painting Basics / Grundlagen Acrylmalerei“ und gehe in diesem Blog deshalb nicht weitere darauf ein.

MAKING-OF RAKELTECHNIK "PROJECT 202"

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INHALTSVERZEICHNIS

  • Werkzeuge
  • Farben & Untergrund
  • Technikvarianten

Werkzeuge

Neben den nachfolgend genannten Spachteln/Rakeln benötigst Du verschiedene Pinsel um die Farbe und evtl. Grundierung auf den Malgrund (Leinwand, etc.) aufzutragen. Ich verwende am liebsten bereits grundierte Leinwand auf die, mit einem breiten Pinsel, die ersten Farben aufgetragen werden.

 

Für das Abziehen der Farbe empfehle ich folgende Werkzeuge:

  • Verschiedene Spachtel- oder Malmesser
  • Zahnspachtel
  • Flächenspachtel
  • Alu-/oder Holz-Rakel aus dem textilen Siebdruck
  • Duschabzieher
  • Malerspachteln jeglicher Art
  • Japanspachtel aus Metall, Kunststoff oder Gummi
  • PVC-Klemmmappen (möglichst dickes PVC) aus dem Bürobedarf

Farben & Untergrund

Für die Rakeltechnik ist die Verwendung von Ölfarben oder pastösen Acrylfarben zu empfehlen.

Durch die Beimischung von Liquitex pouring medium zu den Farben der ersten Farbschicht und des mehrschichtigen Farbauftrags in Folge kann ich die Trocknungszeit der Acrylfarben sehr gut steuern. 

Die schnelle Trocknungszeit der Acrylfarbe kann aber auch durch die Beigabe von Trocknungsverzögerer (Retarder) verlängert werden.

Als Malgrund verwende ich einen straff gespannten Keilrahmen mit mehrfach grundierter Leinwand und mit einem Mindestgewicht von 300g/m² da ich sehr viel Farbe und mehrere Farbschichten verwende und das Werk entsprechend schwer werden kann. Bei einem geringeren Gewicht könnte die Leinwand reißen.

Technikvarianten

Bezüglich der Technik ist Deine Kreativität gefragt. Es ist hier alles möglich und gibt nichts was es nicht gibt…

 

Variante 1 (diese Variante bevorzuge ich)

 

Vorbereitung: Für alle Farbschichten (getrennt pro Farbschicht) die Auswahl an Farben und Hilfsmittel zuerst zusammenstellen, damit Du später zügig und konzentriert arbeiten kannst.

 

Ungewollte Trocknungszeiten vermeiden.

  1. Erste Farbschicht: Die ersten Acryl-Farbenauswahl für den Malgrund mit Liquitex Professional pouring medium anmischen (z. Bsp. 80% Akademie Acryl color – Farben von Schmincke / 30 % Liquitex) und mit einem breiten Pinsel langsam, deckend auftragen. Evtl. etwas antrocknen lassen.
  2. Zweite Farbschicht: z.Bsp. direkt auf einem dicken PVC-Klemmmappendeckel (Bürobedarf) eine oder mehrere Farben auftragen und diese auf die erste Farbschicht vorsichtig aufwischen/überwischen. Unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Wischen benutzen, damit unterschiedliche Strukturen entstehen.
  3. Dritte Farbschicht: wie Zweite Farbschicht
  4. Evtl. etwas antrocknen lassen oder auch nicht. Nun mit einer Rakel/Spachtel tiefere Farbschichten vorsichtig wieder freilegen. Vorsicht bei der Verwendung der Japanspachtel, da diese sehr scharfkantig ist und Du Dich sehr schnell beim Freilegen auf der Leinwand befinden kannst.
  5. Beachte, dass sich die Farben, aufgrund der unterschiedlichen Deckkraft (lasierend, leicht lasierend, leicht deckend, deckend), sich noch verändern können.
  6. Das Werk – je nach Farbdicke – 1 bis 3 Tage austrocknen lassen.
  7. Falls gewünscht, danach das Werk mit Firnis (matt, seidenmatt oder glänzend) schützen. Firnis wird per Pinsel dünn und gleichmäßig aufgetragen. Ich nehme meistens den Firnis z. Bsp. von Lascaux der sich sehr gut auftragen lässt.

 

Variante 2

 

Vorbereitung: Für alle Farbschichten (getrennt pro Farbschicht) die Farben und Hilfsmittel zuerst zusammenstellen, damit Du später zügig und konzentriert arbeiten kannst.

 

Ungewollte Trocknungszeiten vermeiden.

  1. Erste Farbschicht: Direkt auf den äußeren Leinwandrand eine Farbe / mehrere Farben auftragen und mit einer Rakel/Spachtel gleichmäßig oder ungleichmäßig vorsichtig über die Leinwand ziehen.
  2. Danach beliebig… z.Bsp. wie Variante 1

 

Beliebige andere Varianten

 

Beispiel: 

  1. Erste Farbschicht auftragen
  2. Eine oder mehrere Farben direkt auf die Rakel/Spachtel aufbringen und dann die Farbkomposition direkt auf die Grundfläche streichen
  3. Das war’s…; d.h. es werden hier mit der Rakel/Spachtel nachträglich keine tieferen Farbschichten freigelegt.
  4. Nach der Trocknung den Firnis aufbringen

Schlussfirnis

Als Schlussfirnis benutze ich gerne die Produkte von Schmincke, Talens oder Lascaux; je nach Bild eben in glänzend, matt oder seiden-matt.


Das war's schon...

 

Anmerkung: Dieser Blog entstand in 2018 und wird kontinuierlich vervollständigt und weitergepflegt.....

 

Und jetzt viel Spaß beim Rakeln!


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Anmerkung: Für die Erstellung dieses Blogs auf meiner privaten homepage habe ich teilweise Texte oder Redewendungen aus den oben genannten Quellen/Links (siehe "Interessante Links zu Blogs und Artikel...") verwendet und/oder evtl. in meiner eigenen Interpretation dargestellt.

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